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Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 17:35
von Squid (✝)
Und dass Eibe eben nicht das universelle Superholz ist, sieht man z. B. in der TBB Band 4, wo 70 Bögen aus diversen Hölzern und mit verschiedenen Designs verglichen werden. Da gewinnen interessanterweise die durchdachten Bögen aus Pecan und Hick, Osage hält ganz gut mit und Eibe ist eher im Mittelfeld angesiedelt.
Allerdings sind nur drei Eibenbögen im Rennen, was die Aussagekraft der Tabelle etwas relativiert.
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 18:00
von walta
Die Preisliste die ich gefunden habe waren keine Markenbögen sonder massgeschneiderte Bögen nach Kundenwunsch, eben der "Amerikan Flatbow" (ich weiss wirklich nicht was das sein soll - ein Flachbogen der Indianer?) um 200 und ein Eibenlangbogen um 500 - wobei das laut Homepage nur Richtwerte sind - was auch immer das wider bedeutet.
Das mit Holz und Bogendesign weiss ich natürlich, mich wundert halt nur warum der Eiben ELB anscheinend das beste und/oder schwierigste oder am schwersten erhältliche ist.
Die Erklärung mit dem Artenschutz und schwer erhältlich ist schon mal ein guter Ansatz (was kostet eigentlich ein einigermassen tauglicher Eibenstave?)
grüsse
walta
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der sich wundert :-O
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 18:00
von Snake-Jo
Leider sind die Antworten so nicht richtig. Eibe ist das beste einheimische Bogenholz, weil Eibe die besten Eigenschaften hat. In der Regel für Langbogen, aber auch sonst.
Klaus Beckhoff hat sich die Mühe gemacht und eine Reihe von heimischen Bogenhölzern getestet.
K. Beckhoff (1968): Eignung und Verwendung einheimsicher Holzarten für prähistorische Pfeilbogen. Die Kunde 19, 85-101
Er untersuchte dabei max. Druckspannung, Elastizitätsmodul, tang. Spaltfähigkeit, Raumgewicht, Schlagbiegearbeit, Schwund, Faserverlauf und packte alles in eine Formel mit der Berechnung von Sigma, der Bogentauglichkeit.
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 18:06
von Heidjer
Für Eibenstaves kann man von 50€ bis 250€ bezahlen, kommt ganz auf Herkunft und Qualität an.
Gruß Dirk
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 19:16
von Dachs
Nun,
ich denke, dass ravenheart ein oft nicht berücksichtigtes Kriterium für die Preisfindung eines Eibenbogen genannt hat.
Es sieht einfach nur klasse aus. Die Farbe und die Möglichkeit es zu pollieren bis es spiegelt - einfach toll.
Ansonsten gibt es viele Hölzer, die sich nach meiner Erfahrung deutlich schwierige bearbeiten lassen.
Guß
Dachs
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 20:00
von Galighenna
Naja guck doch einfach mal bei Gervase, was so ein Stück Eibe bei ihm kostet, im Gegensatz zu den "normalen" Hölzern. Das ist ein vielfaches!
Und da spielt der Ruf natürlich auch eine Rolle. T-Shirts wo ne Marke draufsteht sind auch um einiges Teurer, obwohl der Stoff oft der gleiche ist... Was draufsteht zählt... So ist das nunmal
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 20:43
von Bogenschütze
walta hat geschrieben:Die Preisliste die ich gefunden habe waren keine Markenbögen sonder massgeschneiderte Bögen nach Kundenwunsch, eben der "Amerikan Flatbow" (ich weiss wirklich nicht was das sein soll - ein Flachbogen der Indianer?)
Der american flatbow ist die Antwort der Amerikaner auf den ELB. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als durch Ishi das Bogenschießen in den Staaten immer populärer wurde, wurde der american flatbow entwickelt. Im Grunde ist das der momentan auf allen Turnieren geschossene Langbogen mit Glaslaminat auf den Wurfarmen.
Das Design kommt aus Amerika (american) und war im Gegensatz zu den heute übrlichen LBs straight ended (gerade auslaufend - so wie bei den Bogen im Hillstyle. Im Thread zum Bogen des Monats gibt´s den Bogen von Omega - der sieht so ungefähr aus wie ein straight ended longbow).
Die flachen Wurfarme (flatbow) konnten mit der Einführung des Glaslaminats immer effektiver gestaltet werden bis hin zum heutigen reflex-deflexen Design, das sogar nach dem Aufspannen bei IFAA-konformen LBs wieder verschwindet.
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 20:44
von Ravenheart
Snake-Jo hat geschrieben:Leider sind die Antworten so nicht richtig. Eibe ist das beste einheimische Bogenholz, weil .....
Hmmmm.... das scheint mir ein wenig wie "Ein Ferrari ist der beste PKW, weil...".... das ist evtl. objektiv richtig, untersucht man Drehmoment, Drehzahl, Verarbeitung, Wiederverkaufswert, etc....
Ne Mutter, die damit mit 3 Kindern den Wocheneinkauf machen will, sieht das vmtl. anders...
Ähnlich sehe ich es beim Bogenbau! Kommt drauf an....
Rabe
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 01.11.2010, 21:04
von Bogenschütze
Die Engländer standen ziemlich auf Eibe.
Wie war das noch im Mittelalter (ich bin zu faul, es rauszusuchen), wo Heinrich der IV. (hoffe, der war´s) verfügte, dass alle Händler, die vom Festland zurück auf die Insel kehrten, eine bestimmt Zahl an Eibenstaven mitbringen mussten?
In England gab´s keine Eibe mehr, weil entweder zu ELBs verarbeitet worden waren oder schlicht gefällt wurden, weil die Pfeder und Kühe daran starben.
Aber das wisst ihr ja schon.
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 01:29
von Squid (✝)
@Snake Jo: Wo kann ich das mal nachlesen? Klingt interessant.
Geht er denn auch von unterschiedlichen Designs, Zuggewichten und Bogenformen aus?
Oder ist - wäre ja bei einem Erscheinungsdatum von 1968 nicht mal verwerflich - die vorgegebene Grundform der ELB?
Hat der gute Mann den Flachbogen als Alternative überhaupt in Betracht gezogen?
Zumindest im hiesigen Raum war der Flachbogen um 1968 nach meiner Kenntnis eher ein Stiefkind, soweit die Form überhaupt bekannt war...
Rein praktisch finde ich es auch schwierig, aus Eibe einen Flachbogen zu fabrizieren, allein wegen der Verteilung von Splint und Kern zu etwa 1 zu 2. Bei 'nem ELB geht das ganz gut, bei 'nem Flat mit weniger als der Hälfte der Dicke ist das deutlich schwerer...
@Bogenschütze: Ja-neee, ganz so heftig wars dann doch nicht. Es gab allerdings eine zeitlang ein Sportverbot für alles ausser Bogenschiessen.
Bogenholz (Eibe) wurde aber eher "industriell" importiert, speziell aus Italien und Südfrankreich. Da musste sich keiner mit abschleppen.
Richtig ist allerdings, dass die "Eibenknappheit" in Europa auch eine Folge des Bogenholzbedarfs ist.
Aber - unbestätigt und möglicherweise reine Propaganda: Die Franzosen haben angeblich alle erreichbaren Eiben abholzen lassen um den Tommies kein Material mehr zu bieten.
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 02:16
von Mike W.
Eibe ist ein ausgesprochen schönes und legedäres Bogenholz, wenn man das Glück hat eines der eher seltenen wirklich guten Stücke zu bekommen. Bei den (Garten-)Eiben die ich kenne erschwert die Unmenge an Ästen und Ästchen den Bogenbau erheblich. Viele Eiben haben außerdem (meist an der unpassensten Stelle) überwachsenes Totholz.
Mir ist ein relativ leicht beschaffbares, gutes Stück Holunder oder Hasel lieber als ein eher minderwertiges aus Eibe!
mfG Mike
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 08:34
von Snake-Jo
Squid hat geschrieben:@Snake Jo: Wo kann ich das mal nachlesen? Klingt interessant.
Geht er denn auch von unterschiedlichen Designs, Zuggewichten und Bogenformen aus?
Oder ist - wäre ja bei einem Erscheinungsdatum von 1968 nicht mal verwerflich - die vorgegebene Grundform der ELB?
Hat der gute Mann den Flachbogen als Alternative überhaupt in Betracht gezogen?
Beckhoff hat eine ganze Reihe von heimischen Bogenhölzern getestet und berechnet. Er ist der einzige, der das in dieser Form gemacht hat. Daher ist seine Arbeit auch so wichtig. Es geht in erster Linie um die physikalischen Eigenschaften der Hölzer und ihre generelle Eignung als Bogenholz. Ein elastisches Holz bleibt elastisch, ob ich da nun einen Flach- oder Rundbogen draus baue. Ein druckstabiles Holz ebenso.
Wenn ich den Bogentyp an das Holz anpasse, dann passe ich den Bogen nur an die Unzulänglichkeiten des Holzes an.
Squid, du als "Bank des Wissens" brauchst natürlich so eine Publikation. Zwei Möglichkeiten: Fernleihe oder von mir!
@Rabe: Das sind zwei paar Stiefel:
1. Der gute Eibenbogen bzw. Rabes Ferrari (von dem rede ich nicht)
2. Die physikalischen Eigenschaften vom Holz (s. Titel vom Thread): Darum geht es hier!
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 11:21
von tomtux
optimierungsrechnungen sind immer lustig, erst recht mit naturmaterialien.
nur mal so als anhaltspunkt zum nachdenken: in der fliegerei gabs zu anfang, als noch mit holz gebaut wurde ziemlich exakte vorschriften welches holz wo einzusetzen war und wie das auszusehen hatte. ringanzahl/cm, dichte und faserverlauf waren vorgegebene konstruktionsdaten. nach welchen kriterien wurden die holzproben für oben erwähnte untersuchung ausgewählt?
abhängig von den unterschiedlichen anforderungen dieser kriterien bei verschiedenen spezies?
bis jetzt gibt es kein theoretisch optimales (und wofür optimal?) bogendesign, wie soll also bitte das optimale holz zu einem nach wie vor nicht definierten design aussehen? und für welches klima und welche einsatzbedingungen?
die materialien, die für eine segelfliegertragfläche optimal sind zerbröselt es in einem kampfjet schon beim start.
ischi mochte eibe gar nicht, für ihn war das kein taugliches bogenholz?
das beste bogenholz gibt es meiner meinung nach genau so wenig wie das beste auto, die beste zeitung, etc. ...
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 13:35
von skerm
tomtux hat geschrieben:
nur mal so als anhaltspunkt zum nachdenken: in der fliegerei gabs zu anfang, als noch mit holz gebaut wurde ziemlich exakte vorschriften welches holz wo einzusetzen war und wie das auszusehen hatte. ringanzahl/cm, dichte und faserverlauf waren vorgegebene konstruktionsdaten. nach welchen kriterien wurden die holzproben für oben erwähnte untersuchung ausgewählt?
abhängig von den unterschiedlichen anforderungen dieser kriterien bei verschiedenen spezies?
bis jetzt gibt es kein theoretisch optimales (und wofür optimal?) bogendesign, wie soll also bitte das optimale holz zu einem nach wie vor nicht definierten design aussehen? und für welches klima und welche einsatzbedingungen?
Das sind wichtige Punkte, aber eine ordentliche wissenschaftliche Herangehensweise vorausgesetzt sind das zugleich auch komplette Basics.
Ich würde bei so einer Arbeit auf jeden Fall eine seeeehr gründliche und umfassende Probenauswahl und -vorbereitung erwarten. Das wär ganz schön viel Arbeit...
Gruß,
Daniel
Re: Warum ist Eibe das beste Holz?
Verfasst: 02.11.2010, 13:40
von Edradour
Wilfrid hat geschrieben:Manchmal wird man zu ganz anderen Gedanken angeregt:-)
Mein erster selbstgebauter nach ca 25 Jahren war ein nasser Hasel. Als der fertig war, leuchtete er im Dunkeln ( Bakterienbefall mit ?), er vergammelte also quasi auf der Werkbank. Nun ist Eibe giftig und gammelt deshalb wohl nicht so schnell????
Die meisten Bogenbodenfunde sind aus Eibe. Nun mein ketzerischer Gedanke:
Man findet nicht deshalb soviel Bögen aus Eibe, weil sie so häufig genutzt wurde, sondern weil die anderen einfach schneller vergammelt sind und die relativ wenigen Eibenbögen wegen der Giftigkeit des Holzes nicht?
Zaunpfähle aus Robinie halten ja auch unbehandelt deutlich länger als Eichenpfähle .
Wilfried, das ist kein ketzerischer Gedanke sondern ignoriert schlicht die Tatsache, dass Bodenfunde nun mal nur eine Quelle ist und eine Häufung durchaus auch in anderen Quellen zu finden ist.