Frage an die Schreiner

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zeckezuechter

Frage an die Schreiner

Beitrag von zeckezuechter »

Ich bräuchte mal eure Hilfe bei einem Thema, dass nix mit Bogenbau zu tun hat.
Ich will mir ein Bücherregal bauen. Dazu habe ich ca. 20 Jahre alte Lärchenbretter, Rauhspund, geschenkt bekommen. Sehr schönes Holz!
Jetzt die Frage:
Wenn ich mich richtig erinnere, kann man ein Verwerfen dadurch vermeiden, dass man den Kern meidet, also die Regalbretter links und rechts des Kerns schneidet. Ist das so richtig?
Oder sollte bei so altem Holz, das vernünftig gelagert wurde, nix mehr passieren?
Ich habe auch schon überlegt, ob es Sinn macht, die Bretter zu schneiden und dann mal für 2 Wochen im Wohnzimmer zu lagern.
Dann sollte man ja sehen, ob noch mal Leben reinkommt.
Wo sind die Holzbauer? Gebt mir bitte mal ein paar Tipps.
Boettger
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Lärche

Beitrag von Boettger »

Original geschrieben von zeckezuechter

Wenn ich mich richtig erinnere, kann man ein Verwerfen dadurch vermeiden, dass man den Kern meidet, also die Regalbretter links und rechts des Kerns schneidet. Ist das so richtig?
Oder sollte bei so altem Holz, das vernünftig gelagert wurde, nix mehr passieren?
Ganz falsch ist das nicht. Der Kern sollte immer rausgeschnitten werden, allerdings nicht um das "Verwerfen" zu verhindern (Schreiner reden vom "Arbeiten") sondern um das Aufreißen des Kerns zu verhindern. Mit Kern ist allerdings hier wirklich der Wachstumskern (das Zentrum) gemeint. Ist der sichtbar, muss er raus, das gerade bei Lärchenholz wegen seiner schönen Färbung sehr beliebte Kernholz kann ruhig drin bleiben.

Holz ist hygroskopisch, nimmt also immer Feuchtigkeit auf oder gibt es ab - je nach Umgebungsfeuchtigkeit. Beim Trocknen schwindet das Holz auf der Stammaußenseite (der Schreiner sagt die linke Seite) mehr als das Stamminnere (die rechte Seite). Die linke Seite wird deshalb beim Trocknen hohl, die rechte Seite rund. Nimmt das Holz Feuchtigkeit auf ist es gerade umgekehrt. Das gilt bei Holz grundsätzlich immer, auch wenn es schon 20 Jahre gelagert wurde.

Am besten machst Du also folgendes: Trenne die Bretter auf in schmale Bretter, maximal 15 cm breit sind, besser aber 9-12 cm. Der Kern wird dabei weggeschnitten. Diese Bretter verleimst Du dann so, dass sich auf der Oberseite jeweils die linke Seite und die rechte Seite abwechseln. So arbeiten die einzelnen Bretter gegeneinander und die Seitenbretter oder Regalbretter bleiben dadurch gerade. Zum Verleimen nimmst Du am besten Weißleim D3. Dübeln kann das Verleimen erleichtern.

Bitte denke daran, dass die Bretter erst nach dem Verleimen auf ihre endgültige Dicke gehobelt werden können.

so, ich muss leider los... Der Rest kommt später, falls nicht jemand schon eingestiegen ist.

bis später
mfG
Boettger
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Lärche Teil 2

Beitrag von Boettger »

so, wieder zurück...

Das Holz vor dem Bau 2 Wochen im Wohnzimmer zu lagern halte ich für eine gute Idee. Vor allem, wenn das Holz draußen gelagert wurde. Eine Holzfeuchte von 9-12% wäre ideal.

Noch zwei letzte (ungefragte) Tips:

Den obersten und untersten Fachboden und am besten auch einen in der Mitte würde ich fest verleimen.
Hier hast Du im Wesentlichen drei Möglichkeiten: Dübeln und verleimen (hat auch seine Tücken ist aber am einfachsten und schnellsten), die Fachböden einzinken (viel Arbeit aber gut machbar und optisch natürlich sehr schön) oder die Fachböden eingraten (hält wenn es gut gemacht wird auch ohne Leim, ist aber recht anspruchsvoll herzustellen).

Die verleimten Bretter abzurichten und auf die richtige Stärke zu bringen ("auf Dicke hobeln") ist für den Hobby-Tischler mit Normalwerkstatt am schwierigsten selbst zu bewerkstelligen. Ich selbst würde für diese Arbeit in eine Schreinerei gehen und es dort machen (lassen). Von Hand wird es ohne Raubank und viel Erfahrung nichts werden.

viel Vergnügen und mfG
zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

Danke Boettger für die Tipps.

Ich hatte eigentlich vor, alle Böden mit Dübeln zu verleimen und zusätzlich an der "Rückwand" mit senkrechten Brettern zu verstärken. Sollen vor allem Bücher rein.
Das Hobeln lasse ich machen. Wir haben im Ort 2 kleine Schreinereien, da dürfte das kein Problem sein. Zumal wir nächstes WE Oktoberfest haben...mal sehen, wer besser auf das Freibier anspringt! :D
Wie ich oben schon geschrieben habe, wollte ich Dübel verwenden. Verzapfen traue ich mir, ehrlich gesagt, nicht so zu, dass es anschließend nach etwas aussieht.

Wenn ich anfange, und dann auf weitere Fragen stoße, darf ich dich weiter löchern, oder?
Boettger
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Beitrag von Boettger »

Klar darfst Du und es sind ja auch noch andere Schreiner da.

Wenn Du Dübelst und die Fachböden wirklich viel Gewicht tragen müssen (kommt auch darauf an wie breit das Regal wird) bietet es sich an, die Fachböden mit kleinen Leisten von unten zu sichern (Schrauben und leimen). Lass die Leisten etwas zurückstehen, schräge sie vielleicht noch an, dann sieht das trotzdem ganz gut aus.

mfG
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Radon
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RE:

Beitrag von Radon »

Original geschrieben von Boettger

Wenn Du Dübelst und die Fachböden wirklich viel Gewicht tragen müssen (kommt auch darauf an wie breit das Regal wird) bietet es sich an, die Fachböden mit kleinen Leisten von unten zu sichern (Schrauben und leimen).
Hier ein Wort der Vorsicht von einem (Ex)Schreiner:

Vorsicht beim Leimen von Längs- auf Querholz.
Holz schwindet quer zur Faser mehr als längs zur Faser. Das kann im Extremfall zum Verziehen des Holzes oder Aufgehen der Leimfuge führen. Ich würde zur Stabilisierung stark belasteter Böden lieber eine (Schwalbenschwanz (**) )Nut in die Seitenbretter machen. Das sieht IMO auch viel besser aus (sofern es sauber gearbeitet ist).
zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

:-( :-( :-( :-(
Hab eben erst gemerkt, dass ich Vögel in Regale verwandeln wollte!
Hat es irgend jemand bemerkt????
Wenn ja, nicht weitersagen, hab es eben geändert!
;-)
zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

Eine Frage hätte ich noch, bevor ich anfange:
Die Bretter sind ja rauh, müssen also noch versäumt werden.
Wie mache ich das am dämlichsten, damit ich eine gerade Seite bekomme?
Zur Verfügung habe ich eine gute Kreissäge mit Anschlag.
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geomar
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Beitrag von geomar »

Hm - was heisst "gute Kreissäge mit Anschlag" bei Dir? ;-)

Abhängig von der Länge der zu besäumenden Bretter würde ich Boettgers Tip mit dem Tischler im Ort aufgreifen und es von ihm machen lassen, denn wenn du nicht grade eine professionelle Tischkreissäge mit "Schiebetisch" hast und auch nicht unbedingt sehr erfahren bist (Siehe Boettgers Tip mit der Raubank), dann kommt da einfach zu schnell Murks bei rum.

Ich würd´s auf einer vernünftigen Abrichte machen lassen, dann ärgerst du dich auch nicht über krumme Bretter... :-)
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zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

Hai geomar,
mir geht es im Moment nur darum, einen geraden Schnitt an der Längsseite zu bekommen, um dann mit Anschlag meine Streifen schneiden zu können. Wenn ich das auch noch meinen Schreiner machen lasse, hat der das Regal gebaut! :-(
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geomar
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...wer nicht hören will....

Beitrag von geomar »

Nu gut - auf die Gefahr hin, dass ich jetzt von den Mächtigen der Zunft verstossen werde...

Ich gehe mal davon aus, du hast eine Tischkreissäge, mit einem einstellbaren Seitenanschlag. Da könnte man auf den Gedanken kommen, einen bereits graden Gegenstand (bereits besäumtes Brett) auf das zu bearbeitende Werkstück zu befestigen und quasi als Anschlagschiene zu nutzen, damit liesse sich dann auf der anderen Seite bei einem ausreichenden Anschlag eine passable Linie sägen...

Ansonsten weiss ich nicht, wo dein Problem liegt - im schlimmsten Fall machste einen graden Strich auf das Brett und sägst genau dran lang... :lalala

Wenn du aber die Bretter aufsägen und anschliessend verleimen willst (so hatte ich es oben verstanden), dann wirste in der Tat um das abrichten nicht herum kommen, da sich die Bretter nach dem Sägen garantiert etwas verziehen werden...
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tomtux
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japansäge?

Beitrag von tomtux »

was spricht eigentlich dagegen, den längsschnitt mit einer japansäge zu machen?
beim letzten lärchenbrett, das ich bearbeitet habe, hab ich das so gemacht und musste noch nicht einmal die schnittkante hobeln.
zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

Ich seh schon, wo ich mich die nächsten Samstage aufhalten werde... :motz
Bei der Masse an Arbeiten, für die ich zum Schreiner muss, werde ich morgen mit einem Freibier nicht auskommen!!!
(siehe oben)
:-(
zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

@tomtux

3,5 meter???
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geomar
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Beitrag von geomar »

@ tomtux
neben den 3,5 Metern auch noch die Tatsache, dass man für einen sauberen, gleichmäßigen und winkeligen Schitt mit der Japansäge schon EINIGES an Erfahrung braucht - zumal, wenn man "Streifen" schneiden und diese anschliessend Stabverleimen will... :knuddel

@ Zeckezüchter
HM - stellt sich für mich die Farge, was denn dein Schreiner bisher gemacht hat?

Ich würde so vorgehen, dass ich zunächst die Bretter in die erforderlichen Streifen schneide, die Kanten auf der Abrichte grade richten lasse und dann die Verleimung vornehmen.

Da du die Streifen beim verleimen eh nicht genau Plan hinbekommen wirst, brauchen die Ober-/Unterseiten der Bretter eigentlich zu Beginn noch gar nicht zwingend bearbeitet zu werden (besser ist das aber schon).

Wenn der Leim getrocknet ist, die Bretter auf die Abrichte und schön plan hobeln und zum Schluss auf den großen Bandschelifer des Tischlers...

Mein Tip:
Sieh bloß zu, dass du nicht zu viel Leim aus den Fugen rausquellen lässt, überstehender getrockneter Leim ist bei Tischlern weder auf der Hobelmaschine, noch auf dem Schleiftisch gern gesehen... :o
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