Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Themen zum Bogenbau
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escapeintolife
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Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von escapeintolife »

Schönen guten Tag/Abend an euch alle :)

Lese schon einige Tage/Wochen rege mit bei euch, doch jetzt brennen mir einige Fragen unter den Nägeln für die ich bis jetzt keine Antwort gefunden habe.
Kurze Basisinfo noch: hab bis jetzt nur 1. Bogen gebaut (Ahorn) der in den nächsten Tagen erst zu Ende getillert wird.

Ich leg am besten gleichmal los:

Habe gestern 2 kleine Bäumchen / Sträucher gefällt mit wunderbaren Maßen.

Nr.1 war ein Schwarzer Holunder ca. 1,8m lang komplett gerade und lediglich ab 1,6m wirklich nennenswerte Äste, hat einen Durchmesser von 8cm an der dünnsten und 10cm an der dicksten stelle und der breiteste Jahresring ist grade mal 2,5mm. Habe die Enden versiegelt, die Rinde ist jedoch noch immer drauf und er liegt derzeit ungespalten im Keller zum trocknen. Was ich bis jetzt gefunden habe, ist dass der Stamm entrindet und gespalten werden sollte.

Jetzt zu meinen Fragen.
1. Ist Holunder spaltfreudig? Oder ist es besser ihn in der Mitte auseinanderzusägen / einen Schnitt bis zum Markkanal machen um das Holz am einreißen zu hindern?

2. Ist das Holz mit einem so dünnen Jahresring zu gebrauchen?

Nr.2 war ein Paffenhütchen ca. 1,8m lang (!) und bis 1,6m absolut gerade, danach biegt er sich leicht. Ebenfalls keine nennenswerten Äste drin und einen Durchmesser von 10cm. Jahresringe jedoch auch max. 2mm breit. (Rinde noch drauf, Enden versiegelt)

Hier stellen sich wieder die gleichen Fragen wie beim Holunder und zusätzlich noch die Frage wie ich ihn am besten entrinden soll (Zugmesser?).


Soweit so gut zu meinem ersten Thema hier bei euch ;)

MFG escapeintolife
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LJB
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von LJB »

Hi,

entrinden mache ich mit dem Zugmesser und Ziehklinge, anderen bevorzügen zb. ein stumpfe Spachtel.
Weder Hollunder noch Pfaffenhütchen würde ich spalten. Entweder sägen oder mit Axt/Zugmesser der Rohling heraus arbeiten.

Zu 2: wie dick ist denn der erste Ring unter der Rinde? Bei Pfaffenhütchen ist es m.M. nicht so wichtig wie dick die Ringe sind aber beim entrinden sehr vorsichtig arbeiten damit der Rückenring nicht beschädigt wird.

LG Leo
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Dolge
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Dolge »

Meiner Erfahrung nach hat Holunder gern Drehwuchs - dann verzieht der Spalt und wandert aus der Mitte. Ich habe bessere Erfahrungen beim Herunterarbeiten bis zum Markkanal mit dem Zugmesser gemacht. Der dünne Jahresring ist nur dann ein Problem, wenn du ein großes Zuggewicht anstrebst. Ich hatte mit einem ähnlichen Ring bei 45 lbs noch keine Probleme. "Der breiteste Jahresring" klingt aber so, als wäre das nicht der äußerste? Ich habe bisher immer den äußersten Ring als Rücken genommen...

Zum Pfaffenhütchen kann ich leider noch nichts sagen.
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Mike W.
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Mike W. »

Holunder würde ich aufsägen, wenn er trocken ist.
Warum? Holunder hat, wie schon erwähnt oft Drehwuchs. Spaltest du ihn, hast du gleich Brennholz. Sägst du ihn im nassen Zustand hast du erst später Brennholz, weil er beim Trocknen verzieht.
Machst du die Rinde ab, trocknest ihn und sägst ihn auf, hast du evtl. 2 Bögen.
Meiner Meinung nach kommt es bei Holler nicht so sehr auf die Ringstärke an und auch Äste sind nicht sooo kritisch wie bei anderem Holz.

Gruß Mike

PS.: natürlich das Versiegeln nicht vergessen, weil Holz mit dicker Markröhre sich sonst selber zerlegt!
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LJB
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von LJB »

Hollunderstämmchen die nicht runter gearbeitet/gesägt usw. sind reissen gerne (mein Erfahrung). Also arbeite ich gleich bis auf den Markkanal hinunter ausser der Griffbereich natürlich. Das hollunder beim trocknen verzieht habe ich noch nicht beobachtet.

LG Leo
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Mike W.
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Mike W. »

LJB hat geschrieben: Das hollunder beim trocknen verzieht habe ich noch nicht beobachtet.
Ich schon. :)
Wenn man drehwuchsverseuchtes Holz spaltet und trocknet, dann verstärkt sich die Drehung. Das habe ich mehrfach an vorher kaum verdrehtem Holz beobachtet!
Wenn ich frisches Holz aufsäge, dann ist der Drehwuchs trotzdem noch da. ;)

mfG Mike
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von escapeintolife »

Naja bin jetzt etwas in der Zwickmühle... Zersägen und das Risiko eingehen 2 verdrehte Hälften zu bekommen, oder auf Nummer sicher gehen und herunterarbeiten auf Bogenform, dafür einen ohne großes Risiko bekommen...

Derzeit fehlt mir noch das Equipment zum Zersägen - hab mir jetzt eine japan. Säge bestellt für Schnitte entlang der Faser um die Stämmchen zu spalten. Vielleicht nicht Ideal, aber hab leider keinen Zugang zu ner Bandsäge. Denkt ihr dass man das auch so zersägt bekommt?
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Ravenheart
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Ravenheart »

Bekommt schon, klar, alles eine Frage von Fleiß und Ausdauer...
Tipp: Alle 10 - 15 cm die Seite wechseln, das verhindert, dass der Schnitt auf der von Dir abgewandten Seite schief läuft!

Ob das GUT ist, sei dahin gestellt...

ICH verwende nur Staves, die sich gerade spalten lassen...
Gut, ich gebe zu, ich hab auch viel Auswahl und kann es mir leisten, wählerisch zu sein...

Als Anfänger hatte ich auch versucht, jeden Stock als Stave zu "retten" ... Das Ergebnis war aber eher ernüchternd, Drehwuchs bleibt Drehwuchs, und wenn der Bogen dann gespannt aussieht wie ein Fragezeichen, stört es zumindest MEIN ästhetisches Empfinden...

Ergo: Ich bin schnell dahin gekommen, dass weniger - aber gute - Staves mir mehr Spaß machen als viele schlechte...

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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von LJB »

Rabe, du triffst den Nagel auf dem kopf! Manches Holz ist nun mal kein Bogenholz.

Trotzdem habe ich es bis Dato nicht geschafft Holler- und Pfaffenhütchen Stämmchen in dieser Dimension schön zu spalten. Drehwuchs ist nicht immer Schuld, beim Holler lief der Spalt sehr oft im Reflexen Teil ohne das Drehwuchs vorhanden war, und somit war das Holz dann zum Heizen.

Ich spalte eher ab 15 Cm Durchmesser, alles was dünner ist wird mitm Zugmesser/ Axt oder Bandsäge bearbeitet.
Grüße Leo

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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Gornarak »

Ne Japansäge würd ich nicht nehmen, weil die in der Regel zu fein ist. Eher nen Fuchsschwanz und selbst der testet die Frustrationsgrenzen schon gut aus. Ich hab für einen Meter ca 5cm dicke etwa drei Tage gebraucht. Längst der Faser sägt es sich einfach bescheiden.
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Ravenheart »

uuups...., na, bevor da noch jemand ohne vertiefte Kenntnisse der Japansägen auf den falschen Dampfer kommt:

Japansägen gibt es mit 2 UNTERSCHIEDLICHEN Zahnungen:

1. für Schnitte QUER zur Faser (das sind die o.a. FEINEN),
2. für Schnitte LÄNGS zur Faser (die sind gröber, und nur DIE werden hier gebraucht!)

Mit Typ 1 längs zu schneiden geht quasi gar nicht, 1 - 2 cm geht mal zur Not, aber eigentlich ist das Unsinn!
Typ 2 schafft bei jedem Zug 1cm Schnittlänge...

Rabe
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von escapeintolife »

Hab mir eine bestellt mit 3mm Zahnung und für Schnitte entlang der Längsrichtung, hoffe ich kann die spätestens morgen austesten ;)
Hab mir gedacht am besten gleich eine etwas gröbere, damit ich nicht ewig an dem Stave herumwerkel.
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Ravenheart
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Ravenheart »

ah...

Noch 2 Tipps:

1. Falls Du keine Erfahrung mit Japansägen hast, ÜBE es erst ein wenig! Die Schnitt-Technik ist GANZ anders als gewohnt.
Man muss...:
a. OHNE Druck nach unten Sägen. GANZ ohne!
b. Mit Kraft ziehen, ganz sanft schieben. Das ist ungewohnt...!
c. Einen WIEGENDEN Schnitt machen d.h.: Beim Schieben leicht (5°) nach vorne runter kippen, beim Ziehen leicht nach hinten runterkippen.
d. und bei längeren Schnitten UNBEDINGT den schon gemachten Schnitt mit nem Keil leicht spreizen, so bald Du tief genug drin bist. GANZ leicht genügt schon, von hand einschieben reicht, eigentlich nur so, dass der Keil nicht raus fällt, aber DAS muss! Hin und wieder von Hand etwas nachschieben...
e. GANZ vorsichtig am Schluss! Du bist VIEL plötzlicher durch, als Du denkst, und man kann leicht "rausfluppen" und knallt die Säge dann irgendwo drauf... Lege zur Not ein Polster unter...

Rabe
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von ralph_hh »

Typ 2 schafft bei jedem Zug 1cm Schnittlänge...
Das klingt, als wäre das mal ne echte Alternative zur Bandsäge?
Konträr zu
Ich hab für einen Meter ca 5cm dicke etwa drei Tage gebraucht.
Ich hab das Problem, daß bei mir eine Bandsäge nicht reinpasst...
Und wenn man nun nicht jede Woche einen Baum aufsägen will..

Über welche Zahnteilung reden wir bei Typ 2?
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Selfbower
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Re: Anfängerfragen zu Holunder und Pfaffenhütchen

Beitrag von Selfbower »

Also ich spalte auch nur noch selten und nutze eine Kreissäge zum vorsägen des Spaltes. Von beiden Seiten ansägen und dann in die vorgesägten Schnitte von beiden Seiten mit Keilen spalten.

Ich schaffe es mit der Methode sogar Stämme zu dritteln!!!

Allerdings ist das auch nicht ganz ungefährlich, da man die kreissäge dabei doch recht eigentümlich benutzt. Wenn die sich verbeißt dann haut sie einem ganz aus der Hand. Kein schönes Erlebins. Aber bei so geringen Durchmessern sollte das gehen auch nur von einer Seite anzusägen und dann nur von dieser Seite ausgehend zu spalten ;)

Nächste Möglichkeit: zum Schreiner gehen und ihn um den Gefallen bitten dieses Stämmchen für einen aufzusägen ;) :)

Die Japansäge in Längsrichtng geht... ist aber doch auch sehr Zeitaufwändig :D

LG. Daniel
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