Kompressionsbrüche, was tun ?

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waffenschreiner
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Kompressionsbrüche, was tun ?

Beitrag von waffenschreiner »

Bei meinem kurz vor der Fertigstellung stehenden Eschenbogen habe ich auf der Bauchseite des oberen Wurfarms einige Kompressionsrisse entdeckt.
;( :-(
Der Bogen ist ist zwischen den Sehnenkerben 170cm lang, 3,6cm breit an den Wurfarmen und hatte zu diesem Zeitpunkt ein Zuggewicht von ca 35lbs. Der Rohling gab leider nicht mehr Länge und Breite her. Die Bauchseite ist übrigens absolut plan. Die Jahresringe sind sind sind eng gewachsen und weisen einen relativ hohen Früholz-Anteil auf.
Ich weiss, dass dies nicht die optimalen Voraussetzungen für einen Eschenbogen sind. Deshalb hatte ich mich innerlich schon auf einen Bogenbruch eingestellt. Die Kompressionsrisse haben mich deshalb doch sehr überrascht, zumal der Bogen kaum Stringfollow hat.
Den Bogen habe ich daraufhin deutlich schwächer gemacht. Mittlerweile dürfte der Bogen ca 25-28lbs haben. Aber immer wenn ich den Bogen auf den Tillerstock spanne um der Tiller zu überprüfen bilden sich wieder neue Kompressionbrüche.
:-| :-| ;(
Nun meine Frage, gibt es eine Möglichkeit den Bogen noch zu retten? Lohnt sich der Aufwand? Ich würde den Bogen nur ungern aufgeben, da schon jede Menge Arbeit drinsteckt. In einer Ausgabe der TB wird empfohlen in solchen Fällen, die Schicht mit den Kompressionsbrüchen abzutragen und eine Schicht aus druckfestem Holz wie z.b. Bergahorn aufzuleimem.
Wäre hierfür Bergahorn-Furnier geeignet? Welchen Kleber kann man hierfür verwenden? Würde auch Ponal blau gehen?

Bin für jeden Tipp dankbar.
waffenschreiner
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Nighty
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dranbleiben

Beitrag von Nighty »

In jedem Bogen steckt viel Arbeit ,das ist unvermeidlich und auch nicht zu vermeiden ,das die ganze Arbeit auch mal umsonst ist,das gehöhrt dazu.
Natürlich kannst du aus dem Bogen ein Laminat machen und dann als Backing auf anderes Holz kleben. Das wäre soviel Arbeit wie einfach einen neuen zu bauen.
Am einfachsten wäre die Stellen mit den Stauchbrüchen mit einer Garnwicklung zu sichern. Und damit schiessen... Jedenfalls solange bis dir den nächsten gebaut hast...:-)
Stauchbrüche heisst ja noch lang nicht das der Bogen bricht.
Also dranbleiben die werden von mal zu mal besser !
...lerne auch aus den Fehlern anderer ,das Leben ist zu kurz um Alle selber zumachen...
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

Nighty hat Recht!

1. (Das Wichtigste!): Sieh es als Hinweis, was Du besser machen kannst! Als NOTWENDIGE Lehre! NICHT als Versagen!

2. Um zu beurteilen, OB man was machen sollte und wenn ja, was, müsste man a) die Falten von Nahem und b) den Tiller von der Seite (entspannt, auf Standhöhe und gezogen) sehen!
So "auf Verdacht" ist das unmöglich!

Man kann solche Stellen durch Pflaster verstärken (aber: siehe 2.!), d.h. eine stabilisierende Schicht aufbringen und diese mir einer Wicklung sichern (NUR Wicklung bring wenig). Als Schicht ginge Glasfaser, Holz, Hanf, Leinen, Seide, je nach Art, Tiefe und Ursache des Schadens...

Erstaunlich ist, dass es trotz des geringen Zuggewichts auftritt!
Da is was faul!

- Zu schnell getillert,
- Biegung zu wenig "verteilt"
- mieses Holz
o.a.

Hör auf Nighty: Einfach den Nächsten bauen!

Rabe

Motto: "Es ist nicht schlimm, einen Feler zu machen, es ist NUR schlimm, den selben Feler 2 x zu machen" ;-)
robau
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Beitrag von robau »

wenn der Bauch wirklich so flach ist, würde ich auf beide wurfarme über die ganze länge und breite
ein starkes furnier oder eine leiste mit 2 bis 3mm
stärke aufleimen. geht gut mit fahhradschläuchen und haufenweise keilen drunter.
eibe wäre natürlich optimal, oder kirsche, nußbaum, ulme, ahorn, weißbuche.
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RE:

Beitrag von Archiv »

Original geschrieben von robau
...geht gut mit fahhradschläuchen und haufenweise keilen drunter...
wie, zum teufel, ist das gemeint?! bitte erkläre sich der herr!




unwissend
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Beitrag von Archiv »

Den Fahrradschlauch fest um die zu verleimenden Teile wickeln (vorher sollte auf die Klebefläche der Teile natürlich Leim aufgebracht werden) und mit den Keilen dann noch mehr Anpressspannung erzeugen, indem man sie einfach unter die Wicklungen treibt.
waffenschreiner
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Beitrag von waffenschreiner »

@ Nighty
@ ravenheart
Danke für eure Anteilnahme und die aufmunternden Worte! Das Bogenbauen werde ich mit Sicherheit nicht aufgeben und mich von diesem Mißerfolg auch nicht entmutigen lassen. Wo gehobelt wird fallen eben auch Späne. Auch aus Fehlschlägen kann man viel lernen. Auf jeden Fall habe ich durch diesen Bogen jede Menge dazugelernt. Wahrscheinlich mehr als ich aus jeden Buch lernen könnte.
In der Anfangsphase des tillerns war ich vielleicht ein wenig hastig vorgegangen. Die Hauptursache liegt aber wahrscheinlich an den schmalen Jahresringen mit hohem Frühholzanteil.
Der nächste Bogen ist schon in Planung. Der wird dann aus der unteren Stammhälfte des gleichen Baums. Die aüßersten 4 Jahresringe werden abgenommen, und der Bogen wird auf jeden Fall deutlich länger werden.

@ robau
Dein “Rettungsvorschlag” scheint mir eine gute Idee. Ich werde mal versuchen an Eibenholz zu kommen um dann an der Bauchseite die Kernholzlaminate als Facing aufzuleimen. Der Kontrast zwischen dunklen Eiben-Kernholz und hellen Eschenholz macht auch noch optisch was her.
:)
Als Kleber möchte ich Hautleim verwenden. Die Fahrradschlauch-Methode wird dabei auch zur Anwendung kommen.
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unfried
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Kompressionsbrüche gefährlich ?

Beitrag von unfried »

Hallo allerseits! Bin zum ersten Mal in diesem Forum. Beschäftige mich mit Nachbauten diverser Holzbögen von Präkolumbianisch bis europäische Steinzeit. Ulmenbogen (Cherokee-Kriegsbogen) nur mit Beil und Raspel angefertigt gut gelungen. Cherokee-Jagdbogen (zu kurz geraten?) leider gebrochen.Jüngstes Baby ist ein Eschen Flachbogen (nicht ganz Maere Heath Typ, da zu schmal und zu kurz) für meinen Sohn mit 38 Lbs.
Daten: 40m Esche gefällt im Juni 2005, gespalten, entrindet, terminal-lackiert und schnellgetrocknet über 2 Monate. herabgearbeitet bis Bodentiller und 2 Wochen nachgetrocknet.
Endprodukt: Stave mit 64 inch, Max. Wurfarmbreite in cm: 4,5, Tiller als D-Profil, nachdem der Deflex des unteren Wurfarmes mit dampf dem leichten Reflex des oberen Wurfarmes angeglichen wurde. Anschließendes Belegen mit 3 Schichten Rindersehne, aufgeleimt mit Sehnenleim. Finishing mit Beize (Nuß in Ethanol) und 3 Lagen Dammar-Harz in Naturterpentin.
Leichter String-Follow nach dem Einschießen auf Scheibe (ca. 1,5-2 inch) bei 43 Lbs. Zuggewicht auf 28 inch Auszug.
Erste Flight-Ergebnisse nach mit normalen Scheibenpfeilen (Kiefernschäfte, 3 Truthahnfedern auf 6 inch, Eisen-Scheibenspitzen, Spin 40-45 Lbs., 400-480 grain) brachten dann die Überraschung:
Bei Schußwinkel um die 40 Grad, exakt 28 inch Auszug und 2-3 Bft. Seitwind wurden satte 215 m als Höchstwert erreicht! Alle Pfeile dieser Art bewegten sich zwischen 195 und eben 215 m!
Und dann die 2. (böse) Überraschung:
Kompressionsrisse am unteren Wurfarm: Einer vom Rand bis fast zur Mitte und darum viele kleine verstreute in einem Wirrwarr. Der Tiller war nachher auch nicht mehr O.K. Das schöne D zeigte im Bereich der Risse (etwa Wurfarm Mitte) eine deutliche Schwächung!
Und das obwohl ich auch beim Einschießen in der Endphase (ca. 200 Schuß) bewußt regelmäßig 28 inch ausgezogen hatte.

Gegenmaßnahme:
1. Wurfarm auf beiden Seiten des Rißbereichs durch Schaben schwächen bis Rißbereich entlastet ist und D-Form wieder hergestellt ist.
2. Oberen Wurfarm über die gesamte Länge schwächen bis angeglichen.
3. Neuerliches Einschießen da Kompressionsschicht abgetragen wurde.
4. Zugstärke nach dieser Prozedur 38 Lbs. statt 43 Lbs. aber die Kompressinsrisse sind noch immer da wo sie waren. Sie wurden ja auch nicht abgetragen.....!

Frage: Wie verändern sich solche Risse über längere Zeit? Bleiben sie gleich? Werden sie länger?
werden sie mehr?
Werden sie tiefer?
Sollte ich um diesen Bereich leimgetränkte Schnur aus Hanf oder Flachs wickeln um den Bereich zu stärken? (Paul Comstock hält nicht viel davon....)

Oder einfach damit leben, Weiterschießen, inzwischen einen neuen Bogen bauen und warten bis er bricht!?
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

Tja....

Zuerst mal willkommen in der FC!
Ein engagierter Bogenbauer mehr! *freu*...

Zum Thema:

3-fach Sehnenbelag auf Esche, und auch noch
-schnellgetrocknet
-D-Profil
-mit Reflex...

Klingt wie ne Bauanleitung für Kompressionsbrüche...
:o

Soll heißen: das KONNTE nur so enden!

Begründung:

-Schnelltrocknung reduziert die Leistungsfähigkeit des Holzes
-D-Profil konzentriert die Druckkräfte auf den Scheitelpunkt der Wölbung (Oder meintest Du UMGEKEHRT D-förmig, also oben rund, unten flach?)
-Reflex erhöht die Vorspannung
-Sehnenbelag erhöht die Druckbelastung des Bauches

So ein Bogen hätte als Holz mindestens hochwertige Eibe oder Osage erfordert! Die beste Kombination aber für Sehnenbeläge ist Horn auf der Bauchseite.

Was tun:

Die einzig wirksame Gegenmaßnahme wäre das Abtragen des beschädigten Bauches bis zur Bogenmitte (in der Dicke gesehen), und Aufleimen eines "facings" aus druckfesterem Material (s.o.).

Lohnt sich aber vmtl. nicht. Daher:

Schieße ihn, so lange er mitmacht, und verbuche es als Lehrgeld!

Jede Gegenmaßnahme am unveränderten Holz (Nachtillern, Wicklungen) verlagern nur das Problem! Es werden immer wieder neue Schäden auftreten, an anderen Stellen, z.B. neben den Wicklungen, aber das Grundsatzproblem beseitigen sie nicht:

Der Bogen ist zwischen Zug- und Druckseite im Ungleichgewicht (leistungsmäßig). Profil(ggf.) und Reflex verstärken zudem die Belastung.

Die Risse werden sich voraussichtlich immer tiefer hinein arbeiten, bis er eines Tages bricht.

Rabe
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D-Profil Nachtrag!

Beitrag von unfried »

Danker Rabe für die nette Begrüßung im Forum!

Bin wie gesagt erst seit Kurzem dabei, wurde aber beim Durchstöbern der alten Beiträge schon mehrfach fündig. Ist also ein hochinteressantes Forum für mich "Bogenbausüchtler".

Ergänzend zu meinem Beitrag:
Ich habe natürlich KEIN D-Profil des Wurarmquerschnittes a la Englischer Langbogen gemeint sondern die Biegung (!) entspricht der eines D-Bogens (also gleich nach dem schmalen/tiefen Griff beginnend - gleichmäßig bis zu den Nocken. Der Wurfarmquerschnitt ist über die ganze Länge fast rechteckig/flach mit glattem Bauch und ganz leicht gewölbtem Rücken, da es sich ja hierbei um den äußersten und unverletzten Ring eines fast 60 cm dicken Stammes handelt.

Das mit der Schnelltrocknung nach Methode "Cumstock" (der gebogene Stock) wird wahrscheinlich der eigendliche Haken an der Sache sein.
Ich vergaß noch zu erwähnen, daß ich nach dem Nachtillern 2x1 inch wegnehmen mußte um von den 32 Lbs. wieder auf 38 Lbs zu kommen und somit der Bogen nur mehr 62" statt 64" lang (oder besser gesagt kurt) ist.

Aber du hast recht! Beim gestrigen Scheibenschießen (24-28" Auszug, ca.100 Schuß)ergaben sich nun zusätzliche kleine Kompressionsrisse. Diesmal an der breitesten Stelle in Griffnähe. der Tiller blieb aber scheinbar (auch ausgezugen) recht passabel D-förmig.
Werden schauen wie er sich am Wochenende beim geplanten Flight-Schießen verhält. Auf über 200 m werde ich diesmal wohl nicht mehr kommen.....

Jedenfalls Danke für die Anregungen. Ich werde umgehend mit einem Nachbau dieses Nachbaus beginnen und schaun ob der dann genauso wie der Teufel schießt und die Esche da vielleicht doch mitmacht. Jetzt will ichs wissen.


Unfried


Noch eine Zusatzfrage:
"...die Risse werden sich tiefer hineinarbeiten....!"

Bis jetzt ist von vom "Hauptriss" nur 1 Ring über die halbe Breite in der Mitte des Wurfarmes betroffen.
Wird der Riss länger (?) oder geht er auch über die "neutrale Zone" hinaus in Richtung Rücken, also in den 2. und 3. Ring hinein? Gibt es da Erfahrungen über Kompressionsrisse im Verlauf der Zeit? Gefunden hab ich nirgendwo was........
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

... ja, so ne "Experimentierphase" hatte ich auch mal! Wenn ich daran denke, was für SCHÖNES Holz ich dabei so "versägt" habe (gut 30 Staves), wird mit heute noch schwindelig...
:D :D :D

Mein Vorschlag: Mache den Nachbau in Esche, aber OHNE Sehnenbelag, und freue Dich an einem langlebigen Bogen - auch wenn der "nur" 150 m schießt...

Mache den Sehnenbelag auf Osage, Hainbuche, oder nem ähnlich druckfesten Holz...

Dann hast Du auch DA länger was von!

Willst Du ein anderes Holz belegen, nimm Ulme oder Ahorn, und mache nur nen 2-fach-Belag, und selbst den so dünn wie möglich.

Alternativ nen Bambusbogen! Aber DAS ist ein Kapitel für sich!

Rabe
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Selfbow in Arbeit

Beitrag von unfried »

Danke für die Tips.
Habe den Bogen nur wegen massiver Angst vor aufstehenden Splittern am Rücken bei 64" Länge und 28" Auszug belegt. Aber so eine Schweinerei (Sehnenbelegen, Leimkochen usw.) muß man auch einmal gemacht haben um glücklich zu bleiben....!
Belag war also mit 3 Schichten wahrscheinlich zu dick!

Habe jetzt ohnehin einen Stave vom selben Stamm (aus dieser Monsteresche gehen sich noch viele Staves aus....) in Arbeit und stehe knapp vorm eigendlichen Tillern:
Soll-Daten:
Typ: "Maere Heath-2"
von Haus aus leicht deflex (1")
73" Länge (mannshoch)
28-30" Auszug
Flacher tiefer Griff
5,5 cm Größte Breite bis zur Wurfarm-Mitte
55-60 Lbs. Zuggewicht
Als Finishing: Tierfett
Stift-Nocken
Flämische Sehne: Flachs, selbst gesponnen,
KEIN BACKING!


Werden mal sehen!
Nochmals besten Dank
Unfried
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...damit Dir nicht langweilig wird:

Beitrag von Ravenheart »

...wenn Du den fertig hast, würdest Du MIR zumindest einen großen Gefallen tun, aus dem selben Holz mal einen Bogen in nur 3,5 cm Breite (natürlich dafür entsprechend dicker!), also Langbogen mit Rechteck-Profil, zu bauen, ansonsten selbe Länge und Zuggewicht, am besten sogar den selben Ring als Rücken!

Da würde MICH nämlich der Vergleichstest bzgl. der Leistung stark interessieren!!

Rabe
unfried
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Versprochen!

Beitrag von unfried »

Würd mich auch interessieren ob bei Esche 186 cm Länge für so ein Profil ausreichen. Aber DAS muß dann ein "echter" D-Bogen sein, bei dem der Griff nicht schmal (1,9 cm) und tief (3,8 cm) ist sondern so ähnlich wie im Neolithikum im alpinen Bereich üblich nur ganz leicht verengt. Der gesamte Griff biegt sich also ganz sanft mit.
Ansonsten wäre es wirklich eine "Bauanleitung für Kompessionsbrüche".....


Der Vorteil bei dem Baum ist: praktisch astfreie Staves, nicht verdreht, kerngesundes Holz, leider relativ viel Frühholz dabei. Aber wenn man wirklich den äußersten (flachen) Jahresring völlig unversehrt läßt, gehts hoffentlich auch so.

Eigentlich wollte ich einen Vergleichsbogen (neolithisch) gleicher Dimension mit STEHENDEN Ringen am Rücken (Rücken also von der SUPER Spaltfläche) machen, aber der kommt eben danach dran.



M.f.G.

Unfried


Überigens: Genau dieser Typ (neolithisch abgewandelter Holmegaard-Typ des Mesolithikums) wurde 2000-5000 v.Chr. ausschließlich aus der damals neuaufgekommenen Eibe gemacht. Der Rücken war aber relativ stark gekrümmt, da klimabedingt und durch den langsamen Wuchs der Eiben nur relativ dünne Stämme zur Verfügung standen. Passte die Länge konnte man das mit EIBE eben machen.
Im Mesolithikum, als die Eibe in Nordeuropa noch nicht da war, wurde eben das beste verfügbare Holz verwendet: Ulme.
Bogen 156-180 cm, flach und breit, schmaler tiefer Griff,...usw. (ein original "Holmegaard" eben).
unfried
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RE: ...damit Dir nicht langweilig wird:

Beitrag von unfried »

Hat halt etwas gedauert.....!
Eschen-Langbogen
LüA: 188 cm
L(eff): 186 cm (meine Körpergröße!)
Selfbow vom Typ "Tybrind Vig" (6000 J., siehe auch Flemming Alrune im "Bogenbauer Buch" S.20)

Eschenstave als Spaltling vom selben Stammstück wie erwähnter sehnenbelegter Flachbogen.
Diemal kein Sehnenbelag, kein Dampfreflex, keine Griffwicklung - Holz pur!

Form: gerader Bogen mit leicht angedeuteter Griffpartie. Querschnitt im Griff rechteckig/oval. Wurfarme rundoval (Rücken eher flach, Bauch stark rund). Nockpartie fast rechteckig abgerundet. Griffpartie mit 15 cm nach Vorbild eher lang gehalten - biegt sich leicht im gesamten Griff mit aber kein richtiger "D-Bogen".

Griff: Br.: 29 mm
D: 34-32 mm
(von Griffmitte zum Griffende nach Vorbild leicht verjüngend)

WA Breite: beim Griff 34 mm
Mitte 26 mm
Nock 19 mm
WA Dicke: Beim Griff 20 mm
Mitte 17 mm
Nock 15 mm

Bogenstärke nach Einschießen (28"): 50 pd

Stringfollow nach Einschießen:
Oberer WA: 80 mm
Unterer WA: 40 mm

Sehne: Flachsgarn (4fach, 12 pd), 3 Stränge mit je 7 Garnen (gibt 12x21=252 pd), mit Bienenwachs gewachst als Flämische Sehne mit flämisch gespleißten Öhrchen.

Endbehandlung: 3x mit Leinöl einschmieren, halbstündiges "Boning" des Bauches mit Glasflasche, dann mehrmals mit Schweineschmalz einfetten (auch nach jedem Schießen!)

Schießverhalten: Sanfter Auszug ohne merkbarem Stacking (liegt wohl an großer Länge).
Leiser Ablaß. Praktisch kein Handschock.

Flightschußergebnis (Zedernschäfte, Feldspitzen, Truthahnfedern spiralig, Spin 50.60 pd, 550-600 grain; Schneefall, leichter Wind von Achtern): 168 m

Danke für die Anregung zum Bau. Mach den selben nochmals und kürze ihn stückweise bis zum Bruch um die Steigerung der Bogenleistung und das Ausziehverhalten in Abhängigkeit von der Länge auszuloten. Wird ganz interessant.


Gut Schuß


Anm.: Hab ihn auch schon bis 30" ausgezogen und würde wahrscheinlich noch mehr vertragen.
2 mittelgroße Kompressionsrisse im oberen WA stören mich auch schon nicht mehr, solange sie unverändert bleiben! Hat ohnehin fast jeder aus dem Stamm gehauene Selfbow!





Original geschrieben von ravenheart

...wenn Du den fertig hast, würdest Du MIR zumindest einen großen Gefallen tun, aus dem selben Holz mal einen Bogen in nur 3,5 cm Breite (natürlich dafür entsprechend dicker!), also Langbogen mit Rechteck-Profil, zu bauen, ansonsten selbe Länge und Zuggewicht, am besten sogar den selben Ring als Rücken!

Da würde MICH nämlich der Vergleichstest bzgl. der Leistung stark interessieren!!

Rabe
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