Langbogen Pflege (Möbelpolitur)

Fragen zu Ausrüstungsgegenständen wie Armschutz, Köcher, etc. Keine Fragen zum Armschutzbau, etc.
Animal-Mother
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Beitrag von Animal-Mother »

Ich wüsste mal gerne welche Erfahrungen ihr im Umgang mit Leinölfirnis gemacht habt. Ich davon eine Dose daheim und benutze es öfters für meine Holzschwerter (Bokken etc). Allerdings hat es den Nachteil das es eine etwas klebrige Oberfläche zurück läßt. Jetzt weiß ich nicht

1. Ob das so sein soll.
2. Ob es daher kommt, dass ich aufgrung des miserablen Wetters der letzten Zeit ich einfach nicht genug Trocknungszeit auf dem Balkon gewährt habe.
3. Ob ich einen klebrigen Bogen möchte, oder ob man das irgendwann auch wieder geschmeidig bekommt.
4. Ob Firnis prinzipiell das falsche Pflegemittel für Holz ist.


Reines Leinöl habe ich noch nie in den Händen gehabt, aber oft wird da von wochenlangen Trockungszeiten gesprochen. Falls ich hier aber völlig danebenliege -> Ich bitte um etwas Erleuchtung in dieser vielfaltigen Welt der Holzpflege.
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zeckezuechter

Beitrag von zeckezuechter »

Hallo Tiermutter,

ich gehöre auch zu den öligen!
Den klebrigen Film vermeidest du ganz einfachm indem du nach ca. 10 Minuten alles überbleibende Öl am besten mit Küchentüchern sauber abwischst und dann das ganze min. einen Tag trocknen läßt, bevor du den Vorgang wiederholst.
Die benutzten Tücher musst du gut wässern---Selbstentzündungsgefahr!!!!!

Ach so: Herzlich willkommen!!!
Falkenstadl
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noch'n Öler

Beitrag von Falkenstadl »

Auch ich öle myladys ELB mit Leinölfirnis. Nach dem Bau des Bogens habe ich 8 -10 Behandlungen durchgeführt (2-3 pro Tag). Gegen Ende merkt man, dass nicht mehr so viel vom Holz aufgenommen wird. Es ensteht eine "harte Oberfläche. Die letzte feuchte (nicht nasse !) Schicht lange trocknen lassen (4-5 Tage) dann die Oberfläche mit einem Baumwoll- oder frottee-Tuch polieren. Schnell reiben, dass Wärme entsteht, dann glänzt er schön. Nach den ersten "Freilandeinsätzten leicht nächölen und nach 10min wieder abwischen.
Achtung! der Hinweis mit der Selbstentzündung ist sehr ernst zu nehmen, mein Blecheimer für das Küchenkrepp hat sich schon bewährt!!
Gruß
Falkenstadl
Bei den Alten schauen, für die Jungen bauen.
Animal-Mother
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Beitrag von Animal-Mother »

Erstmal danke für die schnelle Antwort und die Begrüßung.

Dann vorweg um etwaige Bedenken auszuräumen:
Alles was bei mir mit dem Firnis in Kontakt kommt wird entweder verbrannt oder in einer dieser alten Keksdosen aus Blech aufbewahrt. Allerdings hatte ich noch keine Selbstentzündung bis jetzt, mag aber auch an der kalten Jahreszeit gelegen haben.

Und wie trägt ihr den Firnis auf ?
Ich habe momentan einen etwas gekürzten Pinsel (damit der in die Blechdose passt) im Einsatz, aber damit klatsch ich meistens etwas viel an mein jeweiliges Öl-Projekt. Gibts da Empfehlungen ?

Zweite Frage wäre wo ihr denn eure Bögen trocknen lasst. Denn egal welchen Innenraum man auch nimmt, der Geruch ist doch etwas penetrant und ich bekomm auch Kopfweh davon. Hab ich deswegen auch nur einmal gemacht.
Balkon ist ja wegen möglicher Regengefahr etwas zwiespältig und vor allem über Nacht droht dann ja noch der allmorgendliche Tau. Gibts da irgendwelche Denkanstöße ?

Im voraus schon mal Danke für die Bemühungen
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Beitrag von Archiv »

Hai
Ich öle meist meine Pfeile und meine Holzbögen öle ich bzw. wachse sie anschließend.
Krass finde ich ja, daß schon einige Leute das Erlebnis einer Selbstentzündung von ölgetränkten Tüchern hatten.
Das habe ich noch nie hinbekommen, weder im Sommer in der Sonne, noch zuhause, wenn der Lappen mal irgendwie auf der Heizung gelandet ist noch sonst irgendwie.
Bastel
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Beitrag von Bastel »

genau, wie gehtn das mit der Selbstentzündung. Klingt ja mal geil...
>>------>
Bauernregel:
Hat man Blasen an den Fingern,
sollte man das Zuggewicht verringern.
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killerkarpfen
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Beitrag von killerkarpfen »

Leinölfirnis, sowie andere natürliche Öle, die für die Holzbehandlung verwendert werden, trocknen meines Wissens nicht, sie oxydieren. Das heisst sie verbinden sich mit Sauerstoff. Durch die Verbindung mit O2 nimmt das Öl an Volumen zu und verhärtet. Dieser Vorgang verläuft jedoch sehr langsam und vor allem, geschieht er von der Oberfläche her, nach innen. Das erklärt denn auch, warum sich bei zu dicken Schichten, extrem lange "Trocknungszeiten", oder eben Aushärtungszeit, ergeben. Zum anderen die Bildung von Orangenhaut. Ein von Öl triefender Gegenstand wird zum "trocknen" gestellt. Das Volumen des Öls nimmt von der Oberfläche her zu, nach allen Richtungen und verhärtet, liegt aber auf noch weicher zäher Unterlage. Das darunter liegende Material wird sich erst später ausdehnen und kann dann zu unerwünschten Verwerfungen führen.

Lösungsmittelhaltiger Lack verhält sich da gegenteilig. Durch das Verdunsten der Lösungsmittel schwindet das Volumen.

Der Oxydationsprozess des Öls erzeugt auch viel Wärme, bis zur Gefahr der Selbstenzündung.
Leinölfirnis hat zum normalen Leinöl, Oxydtionsbeschleuniger (sozusagen) beigemischt.

Ich reibe meine Bögen triefend nass mit einem Lappen oder Pinsel ein. Nach ein paar Minuten Zeit zum Einziehen, wische ich alles mit einem neuen, NICHT FUSSELDEN! Tuch wieder weg. Diesen Vorgang aber frühestens eine Woche später wiederholen. Ich will, dass das Öl an der Oberfläche bleibt und die Poren schliesst. Nicht den Bogen vollsaugen,glaub nicht, dass das was bringt. Danach reicht, für neuen Glanz, ab und zu ein abwischen, mit einem an einer Ecke getränkten Tuch.
Eppur si muove
Falkenstadl
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RE: Feurio

Beitrag von Falkenstadl »

Original geschrieben von Bastel
genau, wie gehtn das mit der Selbstentzündung. Klingt ja mal geil...
Wie Killerkarpfen schon sagte entsteht Wärme beim oxydieren. Nun stell Dir mal einen 10 Ltr. Blecheimer vor, der halb mit getränkten Küchenkrepp voll ist. Da entsteht eine Stauhitze, die u.U. das schnell entzündliche Öl-Lappenschmisch zum Brennen bringt.
Gruß
Falkenstadl
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Bastel
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Beitrag von Bastel »

Genau so funktionieren die Wärmekissen von der Bundeswehr mit denen man auch kochen kann. Da ist nur Eisenpulver drin und Aktivkohle um die Oberfläche für die Oxidation zu vergrössern. Macht man das Täschchen auf, kommt Luft rein und es wird heiss. Macht mans wieder zu wirds wieder kalt.
>>------>
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